Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen, Magdeburg

Stadt Magdeburg

Gebaute Botschaften

Fast 1000 Jahre sind seit Grundsteinlegung vergangen, fast 900 Jahre, seit der Hl. Norbert von Xanten die Anlage zum Prämonstratenserkloster ausbaute. Es folgten Jahrhunderte des geistlichen Lebens, mit der Reformation folgten Zeiten des Glaubenskampfes und der Säkularisierung. Das Kloster wurde zur Schule. Die Kirche durchlebte mehrfache Umnutzungen bis zu Leerstand oder Lagerhalle.

Zweifach wurde Magdeburg dem Erdboden gleichgemacht. Und doch hat das Kloster all dies überstanden. Die Anlage ist gemeinsam mit dem Dom das bedeutendste mittelalterliche Architekturdenkmal der Stadt Magdeburg.

Heute ist das ehemalige Prämonstratenserkloster Kunstmuseum der Stadt Magdeburg. Mit den Arbeiten der letzten Jahrzehnte wird die Geschichte als Kloster und Kirche wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt.

Unser Beitrag

Am Anfang stand unser Masterplan. Dieser zeigt auf, wie die stark sanierungsbedürftige Gesamtanlage an die heutigen Anforderungen wie Sicherheit, Brandschutz, Barrierefreiheit und technischer Ausstattung angepasst werden kann.

Nachdem der Stadtrat den Masterplan beschlossen hatte, durften wir seit 2007 in vielen Schritten die im Kern romanische Anlage bearbeiten und für die Zukunft ertüchtigen.

Dazu wurden Westturmgruppe, Fassaden und Kreuzhof mit Tonsur überarbeitet, der Eingangsbereich umgebaut und Ausstellungsbereiche erneuert. Das Dachgeschoss vom Westflügel wurde zum Ausstellungsraum. Barrierefreiheit, Rettungswege und technische Ausstattung genügen heutigen Ansprüchen.

Mit Instandsetzung der Klosterkirche und den neuen Ausstellungsbereichen im Dach des Nordflügels wurden die Sanierungsarbeiten im öffentlichen Bereich 2022 abgeschlossen.

Klosterkirche: Einbau des Chorgewölbes und Sanierung des Innenraums

Mit der Sanierung des Innenraums der Klosterkirche wurde der letzte große Kriegsschaden beseitigt. Der Chor der Kirche erhielt ein neues Gewölbe! Diese große handwerkliche und technische Herausforderung wurde von der Firma Steinservice Meyer, Magdeburg, hervorragend umgesetzt. Hier wurde Handwerk gelebt, Wissen angewendet und weitergegeben.

© Matthias Kromer, Steinservice GmbH

Darüber hinaus wurde die Westempore für Besucher zugänglich gemacht, die Wendelsteine mit Eichenbelag, geschmiedetem Handlauf und Beleuchtung sowie Putzoberflächen überarbeitet. Die stark durch Salze geschädigten Natursteine der Pfeiler und Gewölbe wurden restauratorisch überarbeitet, gereinigt und neu verfugt.

Nach Erneuerung der technischen Einbauten wie Wand- und Fußbodenheizung, Elektroinstallation und Licht wurde als Fußboden ein Sichtestrich im Duktus von Krypta und Vierung eingebracht.

Auch die Fenster mussten zur Entrauchung ertüchtigt und damit erneuert werden. Nach einem langen Bemusterungsprozess wurde entschieden, auf mittelalterlicher Grundform eine moderne Interpretation mit gesenktem Glas und Überfang auszuführen. Die Gläser führen sehr ruhig das Licht tief in den Kirchenraum hinein.

Die Kirche hat nach Abschluss der Sanierung eine völlig neue Haltung angenommen. Es ist ein Raum ruhiger Eleganz geworden, der seine beiden großen Bauphasen von Romanik und Gotik zeigt und mit Licht und Farbe harmonisch verbindet.

Nordflügel: Einbau neuer Ausstellungsräume im Dachgeschoss

Die großen Tonnen der Nordklausur wurden vor dem Krieg von einem weiteren Geschoss mit Aula überspannt. Nach Bombardierung und Romanisierung des Baukörpers blieb das neue Dach des Nordflügels jahrzehntelang ungenutzt.

Von 2020 bis 2022 entstand hier unter neuer Dachform ein großzügiger lichter Ausstellungsbereich. Um dies nach außen zu kommunizieren und innen Raum zu gewinnen, wurde dazu die Dachform nach Norden zum Mansarddach verändert. Im Innenhof bleibt der geschlossene Klausurhof erhalten.

Die Dachhaut aus Baubronze ist in ihrer Form und Ausbildung einzigartig und mit Blick auf die Historie des Klosters entwickelt. Dessen gelebte Geschichte des letzten Jahrtausends wurde in eine besondere Faltung „übersetzt“. Nun entsteht ein individuelles Spiel aus Licht und Schatten. Mit Alterung wird das Material dunkler und sich weiter eigenständig in die Bruchsteinmauern der Umgebung einfügen.

Kreuzhof: Sanierung der Arkaden und Innenhoffassaden mit Tonsur

Die Arbeiten an den Fassaden im Kreuzhof wurden in gleicher Art und Weise wie an den Türmen und an der Klosterkirche weitergeführt: Instandsetzung Bruchsteinmauerwerk, Reinigung, Neuverfugung, teilweiser Steinaustausch und statisch-konstruktive Sicherungen. Am Werkstein wurden steinrestauratorische Maßnahmen durchgeführt. Die Verblechungen wurden in Walzblei bzw. Kupfer erneuert, die Fenster gepflegt.

Darüber hinaus bestand an den Arkaden erheblicher Konservierungsbedarf. Diese waren zuvor in einem umfangreichen Forschungsprojekt der DBU in den Jahren 1998 - 2002 bearbeitet worden. Die Arbeiten des DBU-Projekts wurden überprüft, die Arkaden nachgereinigt, nachgefestigt sowie Antragungen, Vierungen und Retuschen ausgeführt.

Das Kegeldach der Tonsur wurde mörtel- und gefügetechnisch untersucht und nachfolgend mit einem Verputz vor weiterem Steinzerfall geschützt. Eingesetzt wurde ein vorkonfektionierter, wasserabweisender Kalkputz mit Flachsfaser und Haftzusatz.

In der Grünfläche wurden umlaufend Bodenleuchten eingebaut, um den Kreuzhof zu iluminieren und für Besucher attraktiver zu gestalten; gleichzeitig soll das Licht zur Orientierung beitragen.

Nach Abschluss der Arbeiten zeigt sich der Kreuzhof als harmonische Einheit, die sich sehr gut den Fassaden von Türmen und Nordquerhaus zuordnet.

Klosterkirche: Sanierung der Krypta und Erschließung der Norbertgrablege

Eigentlich drehte sich alles um den Schutz noch vorhandener mittelalterlicher Bausubstanz: Malereifragmente, Stein- und Raumoberflächen. Doch interessanterweise zeigen die Ergebnisse wissenschaftlicher Voruntersuchungen – die gesamte Kirche muss für ein gutes Raumklima genutzt werden. So rückte das ebenfalls formulierte Ziel, die Krypta wieder Besuchern zugänglich zu machen, in den Blickpunkt.

In diesem Kontext wurde auch die ehemalige Grablege des Hl. Norbert untersucht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dazu mussten Einbauten der 1970er Jahre zurückgebaut, ein neuer Zugang zur Krypta geschaffen und die Decke über der Grablege so erneuert werden, dass heute der Fußboden der Vierung erhöht in der Klosterkirche liegt. Hierzu wurden statische Sicherungen an den Vierungspfeilern notwendig.

Die mehr als 900 Jahre alte Krypta hingegen hat statisch gesehen alle Unwägbarkeiten der Zeit unbeschadet überstanden und musste lediglich aufgrund der enormen Versalzung neue Oberflächen erhalten. Die Umfassungswände der Krypta wurden in Fugen und Grundputz mit einem Heißkalk, darauf aufbauend mit Sumpfkalk und Quarzsand geputzt.

Krypta und Grablege sowie der neue Boden der Vierung erhielten einen neuen Fußbodenaufbau in Estrich. Das Material wurde in Anlehnung an den historischen Befund eingebaut.

Zusätzlich erhielt der Sichtestrich in der Vierung mittels Inkrustierung in historischer Technik eine künstlerische Gestaltung. Der grafische Entwurf von Martin Assig greift Themen der ehemaligen Marienkirche und der Grablege des Hl. Norbert von Xanten auf.

Die Umsetzung der einmaligen Bodenarbeit erfolgte durch die Denkmalpflege Mühlhausen GmbH. Aus der fertigen Gipsoberfläche wurde Material wieder aufwendig herausgearbeitet und anschließend eine Grafik mittels durchgefärbtem Estrich eingelegt. Als Vorbild dieser Technik dienten historische Gipsestriche mit Bildwerken, die in der Harzgegend seit der Romanik in Kirchen – bspw. in der Klosterkirche Ilsenburg – verwendet wurden.

Westflügel: Sanierung der Ausstellung und des Foyers sowie Ausbau des Dachgeschosses zur Videolounge

Im Anschluss an den Eingangsbereich wurden die museal genutzten Flächen im Westflügel saniert. Foyer, Galerie und der obere Kreuzgang standen hierbei im Fokus.

Mittels Klimatisierung/Lüftung, der Ertüchtigung von Türen, Verdunklung und Verschattung von Fenstern sowie neuen Raumoberflächen sollten die Bedingungen für Ausstellungen deutlich verbessert werden.

Dabei mussten wesentliche Brandschutzanforderungen umgesetzt und ein zweiter Rettungsweg mit neuem Fluchttreppenhaus geschaffen werden. Gleichzeitig wurde durch den Einbau eines Aufzuges der barrierefreie Zugang ermöglicht.

Das Dachgeschoss wurde über das erweiterte Foyer öffentlich zugänglich, ein Ausstellungsbereich für Videokunst – die Videolounge – neu eingerichtet.

Als weiteres Angebot für Besucher konnte das Café im Erdgeschoss innerhalb der Raumgrößen des ehemaligen Refektoriums überarbeitet und neu eröffnet werden. Die großen Verglasungen zum Kreuzgang verbinden den Raum mit Kreuzhof, Tonsur und mittelalterlichen Arkaden.

Die neue Qualität zeigt sich auch in den Spiegelklappen der Künstler realitiers:United, die vor den Ausstellungsräumen des Westflügels angeordnet wurden. Ist das Museum geschlossen, sind es die Spiegelklappen auch. Öffnet sich das Haus für Besucher, öffnen sich die Klappen ebenfalls. So spiegelt sich nicht nur die Umgebung in den polierten Edelstahlplatten, sondern das Museum interagiert mit dem öffentlichen Raum.

Sanierung des Eingangsbereichs

Mit der Neugestaltung des Eingangsbereichs wurde das Kunstmuseum besucherorientiert und freundlich aufgestellt. Empfang, Shop, und Toilettenanlage fügen sich in die mittelaltlerliche Baustruktur ein. Die Belange der Besucher und Nutzer werden ebenso berücksichtigt wie die von Denkmalschutz, Brandschutz, Sicherheit, Barrierefreiheit etc.

 Das der Planung zugrunde liegende Brandschutzkonzept wurde für die mittelalterliche Bausubstanz entwickelt. Brandabschnitte ergeben sich aus der Nutzung und werden durch Verglasungen realisiert. Notwendige technische Einbauten sind erfolgt, blieben aber auf das Wesentliche reduziert.

Daten zum Projekt

2004 Masterplan
2007-2008 Sanierung Westturmgruppe
2008-2009 Sanierung Eingangsbereich
2009-2012 Sanierung Westflügel und Foyer; Einbau Videolounge
2014 Sanierung Ausstellungstonnen
2015-2019 Fassadensanierung Klosterkirche und Klausurbereich
2016-2018 Sanierung Krypta mit Erschließung der Norbertgrablege
2018-2019 Sanierung Kreuzhof mit Tonsur
2018-2022 Einrichtung neuer Ausstellungsräume im Dach Nordflügel
2018-2022 Sanierung Innenraum Klosterkirche incl. Neubau Chorgewölbe